Microsoft bringt DALL·E 2 in den Azure OpenAI Service und zeigt Anwendungsfaelle bei Kunden

DALL·E 2 wird per Einladung im Azure OpenAI Service verfuegbar und soll ausgewaehlten Azure-AI-Kunden die Generierung von Bildern auf Basis von Text oder Bildern ermoeglichen. Microsoft verbindet das mit der Azure-Infrastruktur sowie mit Compliance-, Responsible-AI-Guardrails und Zertifizierungen. Zudem integriert das Unternehmen DALL·E 2 in eigene Angebote, beginnend mit der neu angekuendigten App Microsoft Designer; auch Image Creator in Microsoft Bing soll folgen.

Bei Mattel nutzen Designer DALL·E 2, um Ideen fuer neue Hot-Wheels-Modellautos zu entwickeln. Sie geben einfache Prompts wie ein klassisches Auto ein, lassen Varianten erzeugen und veraendern anschliessend einzelne Elemente, etwa die Karosserieform oder Farben. Laut Mattel entstanden so Dutzende Bilder, deren Iterationen weitere Ideen anstossen und die Ausarbeitung eines finalen Designs unterstuetzen. Carrie Buse vom Mattel Future Lab beschreibt das System dabei als Werkzeug zur Ideengenerierung; Qualitaet bleibe entscheidend, aber eine groessere Menge an Varianten koenne dabei helfen.

Microsoft ordnet diese Einfuehrung in eine breitere Entwicklung ein: In den vergangenen 18 Monaten habe sich KI von einem Nachweis dessen, was grundsaetzlich moeglich ist, hin zu konkreten Nutzungsszenarien und Prozessen fuer Endnutzer entwickelt. Eric Boyd fuehrt das auf Leistungssteigerungen durch mehr Compute, mehr Daten und damit leistungsfaehigere Modelle zurueck. DALL·E 2 wurde auf einem in Azure gehosteten Supercomputer trainiert, den Microsoft exklusiv fuer OpenAI aufgebaut hat. Dieselbe Infrastruktur kam auch fuer GPT-3 und Codex zum Einsatz, das GitHub Copilot und bestimmte Funktionen in Microsoft Power Apps unterstuetzt.

Azure OpenAI Service erweitert damit die Einsatzfaelle innerhalb der Azure Cognitive Services. Im Text werden auch weitere KI-Funktionen genannt, die Microsoft ueber Azure anbietet, darunter Sprachuebersetzung, Speech Transcription, Optical Character Recognition und Document Summarization. Sie finden sich bereits in Produkten und Diensten wie Microsoft Teams, Microsoft Power Platform und Microsoft 365.

Im Bereich Business Applications hebt Charles Lamanna die Einbindung von KI in Arbeitsablaeufe hervor. Neue Werkzeuge sollen monotone Aufgaben reduzieren, etwa Mitschriften von Verkaufsgespraechen, Zusammenfassungen oder das Erfassen von Action Items. In Power Automate fuehrt Microsoft Funktionen mit AI-powered Copilot ein, mit denen Nutzer Workflows in natuerlicher Sprache erstellen koennen. Als Beispiel nennt Lamanna die Anweisung, bei einer E-Mail vom Vorgesetzten automatisch eine SMS zu senden und einen Outlook-To-do-Eintrag anzulegen. Fuer technisch etwas versiertere Nutzer lassen sich solche Loesungen in der Power Platform mit Low-Code-Werkzeugen und grafischen Oberflaechen weiter anpassen, unter anderem mit Intelligent Document Processing in AI Builder.

Als konkretes Beispiel beschreibt Microsoft eine moegliche Anwendung in einer Anwaltskanzlei: Wird ein neuer Vertrag in SharePoint hochgeladen, koennte eine App automatisch Angaben wie Verfasser, beteiligte Parteien und Branche extrahieren und eine Zusammenfassung an zustaendige Juristen senden. Lamanna stellt dem den heute ueblichen manuellen Ablauf gegenueber, bei dem Dateien geoeffnet, ueberflogen und zusammengefasst werden muessen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist Microsoft Syntex als Content-AI-Angebot fuer Microsoft 365. Microsoft-Kunden fuegen dem Unternehmen zufolge taeglich rund 1,6 Milliarden Inhalte zu Microsoft 365 hinzu, darunter Praesentationen, Vertraege, Rechnungen, Arbeitsauftraege, Videoaufzeichnungen und Teams-Transkripte. Syntex nutzt Azure Cognitive Services und weitere KI-Technologien, um Inhalte zu lesen, zu taggen und zu indizieren, digital wie papierbasiert. Dadurch sollen Inhalte auffindbar und als wiederverwendbares Wissen nutzbar werden; ausserdem kann Syntex den Content-Lifecycle mit Sicherheits- und Aufbewahrungseinstellungen verwalten.

TaylorMade Golf setzt Syntex laut Microsoft fuer ein Dokumentenmanagement rund um geistiges Eigentum und Patentanmeldungen ein. Zuvor haetten Juristen E-Mails, Anhaenge und andere Dokumente manuell verwaltet. Mit Syntex werden diese Inhalte automatisch klassifiziert, getaggt und gefiltert, um sie sicherer und ueber Suche leichter auffindbar zu machen. Das Unternehmen prueft laut Text zudem den Einsatz fuer die automatische Verarbeitung von Bestellungen, Belegen und anderen Transaktionsdokumenten in Accounts Payable und Finanzteams.

Auch im Vertragsmanagement beschreibt Microsoft Anwendungen fuer Syntex. Vertraege enthalten zwar individuelle Elemente, bestehen aber oft aus wiederkehrenden Klauseln etwa zu finanziellen Bedingungen, Aenderungskontrolle oder Zeitplaenen. Syntex kann solche Bausteine aus verschiedenen Dokumenten zusammenstellen und Aenderungen hervorheben. Jeff Teper verweist dabei besonders auf Abweichungen von Standardklauseln sowie auf die Rolle von Metadaten in Freigabe-, Ablage- und Suchprozessen.

Bei RTL Deutschland testet das Data-, Research- und AI-Kompetenzzentrum den Einsatz von DALL·E 2 im Azure OpenAI Service fuer personalisierte Bilder. Hintergrund ist die Erweiterung von RTL+ zu einem Angebot mit Millionen von Videos, Musikalben, Podcasts, Hoerbuechern und E-Magazinen. Marc Egger beschreibt Bilder als wichtigen Faktor fuer die Aufmerksamkeit von Nutzern. In Kombination mit Metadaten ueber fruehere Interaktionen koennte DALL·E 2 personalisierte Artwork-Varianten in grossem Umfang erzeugen. Als Beispiele nennt der Text unterschiedliche Bildvarianten fuer denselben Film je nach Interessenschwerpunkt eines Nutzers sowie generierte Visuals fuer Podcast-Folgen oder einzelne Szenen in Hoerbuechern, die bislang oft nur mit generischen oder wiederholten Motiven versehen werden.

Microsoft beschreibt zugleich Schutzmechanismen fuer den Einsatz von DALL·E 2. OpenAI habe die explizitesten sexuellen und gewalttaetigen Inhalte aus den Trainingsdaten entfernt. In Azure AI kommen zudem Filter zum Einsatz, die Prompts ablehnen, wenn sie gegen die Content Policy verstossen. Weitere Techniken sollen die Erzeugung von Bildern von Prominenten sowie von Objekten verhindern, die haeufig dazu genutzt werden, sexuelle oder gewalttaetige Inhalte zu provozieren. Auf der Ausgabeseite werden generierte Bilder herausgefiltert, wenn sie erwachsene Inhalte, Gore oder andere unangemessene Inhalte zu enthalten scheinen.

Als Grenze nennt Microsoft, dass DALL·E 2 wie viele KI-Systeme nur so gut ist wie die Daten, mit denen es trainiert wurde. Fehlt Kontext zur Absicht der Nutzer, koennen weniger praezise Prompts Verzerrungen aus den Trainingsdaten sichtbar machen, die aus Texten und Bildern aus dem Internet stammen. Sarah Bird erklaert, Microsoft arbeite daher mit Produktteams an Oberflaechen und Hinweisen, die Nutzer zu beschreibenderen Prompts anleiten und die heutigen Einschraenkungen transparent machen sollen, damit sie eher die gewuenschte Darstellung erhalten als einen durch Durchschnittswerte aus dem Internet gepraegten Output.

Bei Mattel nutzt Carrie Buse DALL·E 2 auch fuer fruehe Ueberlegungen zu virtuellen Erlebnissen im Umfeld von Metaverse und NFTs. Das System soll dabei helfen, auf Basis verschiedener Beschreibungen moegliche visuelle Richtungen zu erkunden. Eric Boyd beschreibt DALL·E 2 und die zugrunde liegende Familie grosser Sprachmodelle zum Schluss als Ausgangspunkt fuer weitere Anwendungen; laut ihm werde die Leistungsfaehigkeit dieser Modelle bisher erst in Teilen genutzt.

Quelle

Originalquelle: Microsoft AI Blog

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